Der Sonntagsfahrer – on the road again

“On the road again“, dröhnt es aus dem Radio und Bert dreht den Lautstärkeregler weiter auf. Er hat den Song lange nicht gehört und freut sich so sehr, ihn endlich einmal wieder hören zu können, dass er lauthals mitsingt, während er über die kurvigen Straßen des kleinen Gebirges seiner allsonntäglichen Strecke fährt.
„Can’t wait to get on the road again”, grölt er voller Enthusiasmus mit und spürt dabei ein absolutes Gefühl der Freiheit in sich aufkommen und wie sich eine unbändige Freude in ihm aufbaut, sodass er das Gaspedal in den nächsten Kurven ein wenig stärker durchdrückt als sonst üblich und sich mit seinem Käfer so richtig in die Kurven wirft und die Schwerkraft so herrlich an ihm zerren spürt.
„Goin‘ places that I’ve never been“, singt er laut lachend mit und kommentiert direkt zwischen einer Kurve und der nächsten, „na, das trifft auf mich ja mal so gar nicht zu, aber was solls!“ und lacht deshalb ein weiteres Mal glücklich vor sich hin.
Der Wind weht durch seine Haare, während er die Straße Meter um Meter hochjagt und keine einzige Sekunde bereut, in der er zugeben muss, ein wenig schneller unterwegs zu sein als er es eigentlich dürfte, aber in diesem Moment ist ihm das herzlich egal und er genießt einfach die Luft, den Wind, die Sonne und dieses einmalige und seltene Gefühl von Freiheit und Sorgenlosigkeit, das sein Herz warm und weit werden lässt.

Als das Lied endet und Bert langsam aus seinem wohligen Rausch zurückkehrt, steuert er einen kleinen Aussichtspunkt an, stellt seinen Käfer und das Radio ab und geht einige Schritte weiter, bis er auf einer alten Aussichtsplattform steht, von der aus er die kleinen Berge und sanften Hügel seiner Heimat überblicken kann.

Die Sonne sinkt bereits und taucht den frühen Nachmittag in ein wundervolles Licht, während leichter Wind über die Landschaft streift und durch seinen Bart weht. Er nimmt einige tiefe Atemzüge, schließt die Augen und hört in seinem inneren Ohr leise die Textzeile „we’re the best of friends“ nachklingen und wird darüber ganz ruhig und ein wenig nostalgisch.

Einige Minuten verbringt er in dieser wunderschönen Atmosphäre und atmet und erinnert sich und dankt Gott und seiner Frau und Willie Nelson für diesen tollen Moment und wendet sich schließlich um und geht zurück zu seinem Auto, öffnet die Tür, lässt den Motor an und fährt zurück auf die Straße, um die Fahrt den kleinen Berg hinab anzutreten.

Das Radio schaltet er diesmal nicht wieder ein, aber ihn begleitet auf der weiteren Fahrt der Text, die Melodie und das dankbare Gefühl von der Aussichtsplattform. Er ist glücklich und zufrieden „on the road again“.

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