Skip to content
André J. Pauwels

André J. Pauwels

Theologe. Autor. Blogger.

Menu
  • Start
  • Blog
  • Veröffentlichungen
  • Über mich
  • Kontakt
  • Impressum und Datenschutz
Menu

Der Tag der toten Kalender

Posted on Dezember 25, 2025 by admin

Es ist Weihnachten. Auf der Straße liegt ein kleiner Haufen ehemals hoffnungsvoller Adventskalender. Der Inhalt ist herausgeschält, die Türen hängen halb am Gerippe der Kalender, andere sind komplett herausgerissen, es fehlen überall Verkleidungen, manche Kalender sind bloß noch Skelette ohne Füllung, ohne Außenhaut, ohne alles. Es ist ein trostloser Haufen, ganz der Hoffnung auf bessere Tage beraubt.

Dabei hatte alles so freudenvoll begonnen, als sie in den riesigen Fabrikhallen geformt und gefüllt worden waren. Manche von ihnen bekamen bloß einfache Schokoladenfiguren, so dünn, dass man sie auf der Zunge zergehen lassen konnte. Manche freuten sich darüber, viele kleine Autos in ihrem Inneren beheimaten zu dürfen und andere bewahrten Tee, Kaffee oder Kekse. Es gab sogar welche, die mit Teilen für eine Krippe befüllt wurden oder Werkzeug enthielten. Die Kalender waren voller Vorfreude auf die Adventszeit – der Zeit, in der sie ihre wahre Bestimmung erfüllen sollten: Freude zu den Menschen zu bringen und dadurch die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen.

Schon der erste Tag nahm den Kalendern jedoch ihre Illusion: Mit Gewalt wurde an ihnen herumgerissen, ihre Türen wurden einfach so mit den Fingern aufgebrochen, denn kaum jemand scherte sich darum, dass es eine Perforation gab, an der man den Kalender auch schonend öffnen konnte, damit man die Türen wieder schließen konnte. Nein, den meisten Kalendern war ein solches würdiges Schicksal nicht bestimmt. Die meisten wurden aufgeschnitten und zerrissen, ganze Segmente wurden ihnen brutal mit klobigen Griffen genommen, bloß, um an den Inhalt zu kommen, der dann einmal kurz beachtet und dann nie wieder angefasst wurde. Von Tag zu Tag zerschlissen die Kalender mehr und mit jeder herausgenommenen Tür, mit jedem entfernten Geschenkchen, mit jeder zerrissenen Strebe sank die Hoffnung der Kalender immer mehr, wirkliche Freude zu den Menschen zu bringen. Diese erschienen ihnen gierig und rücksichtslos und ohne jegliche Wertschätzung für das Opfer, dass die kleinen Kalender für sie brachten.

Mit der letzten Tür verschwand dann das letzte bisschen Leben aus den Kalendern und sie landeten achtlos in irgendeiner Tonne oder auf der Straße – kaum noch ein Schimmer ihres früheren Glanzes, der Hoffnung und Freude war mehr zu sehen, bloß noch ausgelaugte Verpackungen, auf einem Haufen auf der Straße – umgeben von Schnee und Eis.

Der Tag der Geburt Christi – der Tag der toten Kalender.

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Search

Recent Posts

  • Der Tag der toten Kalender
  • Was wir an Weihnachten in unserer Konfession besonders mögen
  • Was wir an Weihnachten in unserer Konfession besonders mögen
  • Unsere größten Diskussionen
  • Wie wir über Unterschiede sprechen

Recent Comments

  1. Sabine Dettmann zu Was wir an Weihnachten in unserer Konfession besonders mögen
  2. Stefanie zu Ein Wurm im Ohr
  3. Steffi zu Warum eigentlich Gedichte?
© 2026 André J. Pauwels | Powered by Superbs Personal Blog theme