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André J. Pauwels

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Theologe. Autor. Blogger.

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Der Zauberer aus Haus 13 – Kapitel 2 – Teil 1

Posted on Februar 13, 2026Februar 13, 2026 by admin

Kapitel 2 – Der verschwundene Gartenzwerg – Teil 1

Der Wecker klingelt. Während Ben nach seinem Handy und seiner Brille fingert, fragt er sich, warum er sich überhaupt einen Wecker stellt, obwohl er doch eigentlich als komplett freier und selbstständiger Journalist fast ausschließlich im Home-Office arbeitet.

„Vermutlich ist es bloß die liebe alte Gewohnheit. Ich lege mir meine Vor-Ort-Termine ja absichtlich immer auf den Nachmittag, damit ich ausschlafen kann. In eine Redaktion bin ich schon seit Jahren nicht mehr gefahren – ich bin meine eigene Redaktion“, grinst er in sich hinein, während sein erster Weg ihn zur Kaffeemaschine führt, wo er geduldig auf seine erste Tasse wartet und schon einmal den Tag durchgeht, der heute vor ihm liegt: „Also, dann planen wir mal ein wenig. Heute Vormittag schreibe ich endlich meine kleine Reportage für meinen Blog zu Ende und bringe sie in Umlauf. Nach einer kleinen Mittagspause mache ich mich dann nochmal an meinen neuesten Fall und schaue, was es Neues über meinen Zauberer gibt, immerhin habe ich jetzt ein paar Tage nicht daran gearbeitet. Ich gehe mich weiter in der Nachbarschaft vorstellen und halte dabei schonmal die Ohren und Augen auf für weitere Infos über den alten Herren.“

Mit einem dreifachen Piepen verkündet die Kaffeemaschine die erfolgreiche Verarbeitung von Wasser und Pulver und Ben füllt seine Lieblingstasse, ergänzt den Kaffee um Zucker und Milch und macht sich samt Tasse an seine Morgenroutine: Brötchen in den Ofen, Aufschnitt und Aufstrich aus dem Kühlschrank, alles auf den Esstisch, dann ins Bad, zum Briefkasten, Zeitung holen und schließlich mit einer zweiten Tasse Kaffee zum Frühstück zurück an den Esstisch.
Genüsslich schlägt er das Blatt mit den tagesaktuellen Meldungen auf und weiß wieder, warum er nicht mehr in einer klassischen Redaktion arbeitet, sondern allein und frei: „Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt noch eine gedruckte Zeitung abonniert habe, wenn mittlerweile so viele Textbausteine genutzt werden, die trotzdem grammatikalisch schlecht sind und Rechtschreibfehler enthalten. Außerdem gibt es kaum noch lokale Nachrichten. Gut, dass ich aus dem Geschäft raus bin und mein eigenes Ding mache. Ich kann wenigstens noch wichtige und richtige Geschichten aus dem echten Leben und von echten Menschen erzählen und sitze nicht bloß am Schreibtisch und schreibe Artikel aus dem Internet zusammen. Trotzdem: Die Augen zu verschließen und keine aktuellen Nachrichten mehr mitzubekommen ist auch keine Option und ich schlage nach wie vor gerne die Zeitung zum Frühstück auf. So, genug gemeckert, jetzt wird gegessen und gelesen.“

Zwischen einem Bissen Brötchen und dem nächsten Schluck Kaffee, mitten im Aufschlagen des kleinen Lokalteils wird Ben plötzlich aus seiner Morgenroutine gerissen, denn die Klingel der Haustür ertönt und Ben rollt genervt mit den Augen über die Störung seines geliebten Frühstückrituals. Er überlegt kurz, das Klingeln zu ignorieren und einfach so zu tun, als sei er nicht zu Hause, um in Ruhe weiter frühstücken zu können, als es auch schon das zweite Mal klingelt.

„Na, da ist ja jemand penetrant“, murmelt er vor sich hin während er die Zeitung auf den Tisch legt und theatralisch genervt aufsteht und langsam zur Tür schlurft. Kaum hat er diese einen kleinen Spalt geöffnet, tönt es ihm auch schon laut schallend entgegen:
„Ach, guten Morgen Herr Friedland, ich dachte schon, Sie sind gar nicht zu Hause, so lange haben Sie gebraucht, um die Tür aufzumachen. Es ist schön, Sie endlich kennenzulernen, die Nachbarn haben mir schon so viel von Ihnen erzählt. Sie haben sich wohl vorgestellt, nicht? Also bei mir waren Sie ja noch nicht, aber das macht nichts, jetzt bin ich ja da. Dann stelle ich mich halt mal vor und heiße Sie herzlich in der Nachbarschaft willkommen. Ich bin Kornelia Reusch, aber alle nennen mich bloß Konny – mit K, nicht mit C, ganz wichtig. Ich wohne in Haus acht, also gleich da vorne über die Straße, sehen Sie? Das mit den schönen Blumen und der bunten Deko und den vielen Gartenzwergen im Vorgarten, ach, was sage ich, überall! Jetzt sagen Sie doch auch mal was oder sind Sie eher so ein schweigsamer Mensch?“

Ben ist reichlich überfahren und kann sich nur mühselig in die Unterhaltung einklinken, denn Konny setzt dazu an, unvermittelt weiterzureden, als hätte sie ihm nicht gerade eine Frage gestellt:
„Guten Morgen Konny, ich wollte mich eigentlich nachher vorstellen kommen, ich sitze gerade eigentlich noch am Frühstückstisch. Es ist aber schön…“, möchte Ben noch weiter ausführen, aber seine Wortzahl für dieses Gespräch scheint ihm in diesem Moment dann auch schon aufgebraucht zu sein, denn Konny steigt beim Stichwort Frühstück direkt wieder ein:
„Ach, Frühstück um diese Zeit? Also ich habe ja meine erste Runde schon gemacht. Du musst wissen, ich stehe immer sehr früh auf und drehe direkt nach dem Frühstück schon meine erste Runde. Das ist wichtig für meine Gesundheit, mache ich mehrmals am Tag. Außerdem bleibt man so immer schön mit allen im Gespräch und erfährt, was so los ist. Ich sage immer: Ein gutes Gespräch unter Nachbarn bereichert den ganzen Tag! Findest du nicht auch?“

Während Ben sich noch fragt, wann genau die beiden eigentlich vom Sie zum Du übergegangen sind, fällt ihm ihr extrovertiertes Auftreten auf, angefangen von den aufwendigen lockigen Haaren, goldenen Creolen in beiden Ohren, bis hin zu einer dazu passenden Halskette mit einem kleinen Diamanten darin, die unter dem locker um den Hals geschwungenen Seidenschal hervorragt. Auch die Kleidung fällt ihm als reichlich ausgefallen und bunt auf: Eine weite, rote Bluse mit farbigen Blumenmustern, dazu eine lockere, mit einem leichten Braunton abgesetzte Stoffhose und bequeme, aber offensichtlich teure Schuhe.
„Also kurz und gut ein Outfit, das vor allem eins will: Aufmerksamkeit erzeugen. Passt wahrscheinlich zu ihrem Garten“, denkt Ben bei sich und bemerkt erst jetzt den fragenden Ausdruck auf ihrem Gesicht: „Also?“
„Es tut mir Leid“, entschuldigt Ben sich, „ich habe mich gerade so in ihrem tollen Outfit verloren, dass ich nicht alles mitgeschnitten habe. Ich weiß, Sie haben über Ihre Gartenzwerge gesprochen, aber der Rest fehlt mir. Würden Sie das nochmal wiederholen?“
„Ach, Ben, wir sind doch längst beim Du – so unter Nachbarn duzt man sich doch, ist doch klar. Und danke für das Kompliment, ich achte sehr auf mein Äußeres und finde es toll, wenn andere das bemerken. Also zurück zu meiner Frage: Einer meiner Gartenzwerge ist verschwunden, der kleine – ach sie sind ja alle klein, aber der ist noch kleiner – mit der Schaufel in der linken und der Laterne in der rechten Hand. Und ich gehe jetzt durch die Nachbarschaft und frage, ob ihn jemand gesehen hat. Also, hast du ihn gesehen?“
„Ich muss leider passen, nein, habe ich nicht.“
„Ach, wie bedauerlich. Aber das kann kein Zufall sein. Bestimmt hat dieser Scharlatan aus Haus 13 etwas damit zu tun.“
 

 

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