„Na klasse“, murmelt Bert vor sich hin, als er die aufziehenden Regenwolken vor sich am Himmel sieht. Er weiß, dass gleich eine Stelle kommt, an der halten kann und steuert diese nun gezielt an. Kaum hat er den Wagen gestoppt, den Gang rausgenommen und die Handbremse gezogen, steigt er auch schon aus dem Wagen aus und macht sich daran, sein Verdeck wieder zu schließen und murmelt dabei weiter vor sich hin: „Ich hab schließlich keine Lust, nass zu werden und das Innere des Autos auch nicht. Dafür steckt viel zu viel Arbeit in diesem schönen Auto.“
Wie er daran arbeitet, fallen auch schon die ersten Tropfen vom Himmel und Bert ist froh, dass er es nicht darauf hat ankommen lassen, bis zur nächsten Raststätte zu fahren. Während er die letzten Handgriffe vornimmt, schaut er zum Himmel und sieht die immer dunkler werdenden Wolken rasch auf sich zu ziehen und murmelt wieder in seinen kurzen Bart: „Na, so wie das aussieht, brauche ich auch mit geschlossenem Verdeck nicht groß weiterzufahren.“
Die letzten Handgriffe sind erledigt und Bert beeilt sich, wieder in seinem Wagen Platz zu nehmen, da die Tropfen schnell dicker werden. Er schnallt sich wieder an und schaut aus der Frontscheibe heraus dabei zu, wie der Scheibenwischer Mühe hat, mit den Wassermassen zurecht zu kommen. Einen Moment bleibt er etwas unschlüssig sitzen und überlegt, wie er mit dieser Situation umgehen soll.
Schließlich ringt er sich dazu durch, wieder auf die Straße zu fahren und ein nahegelegenes Restaurant anzusteuern, dort etwas zu essen und abzuwarten, ob das Wetter sich wieder bessert. Vorsichtig tastet er sich die zwei Kilometer voran und biegt dann endlich auf den Parkplatz des Restaurants „Zur kleinen Freiheit“ ein. Beim Einparken kann er sich den Gedanken nicht verkneifen, dass die kleine Freiheit heute wohl bloß darin bestehe, frei vom Regen zu sein und er lacht leise in sich hinein.
Er schnappt sich seinen Regenschirm, öffnet die Autotür einen Spalt, öffnet dann den Schirm und steigt aus. Nachdem er seinen Wagen abgeschlossen hat, macht er sich zügigen Schrittes auf den Weg in das Restaurant, wo im Eingangsbereich schon andere Leute sich das Wasser von der Kleidung und aus den Haaren schütteln.
Bert schaut sich um. Er hatte nicht erwartet, dass hier tatsächlich alles immer noch so aussehen würde wie vor einigen Jahren, als er das letzte Mal hier war.
„Ach, grüß dich, Herbert, du warst ja lange nicht da“, hört er eine Stimme sagen, wendet sich zu ihr um und kann nicht glauben, wen er da sieht.
„Ach Mensch, Karl, ich dachte, du hast aufgehört!“, begrüßt er seinen früheren Freund freudig, als beide sich kurz in den Arm nehmen.
„Du weißt, wie das ist, Herbert, ich wollte aufhören und konnte es dann doch nicht lassen“, antwortet Karl, „dieser Laden ist nun mal mein Leben.“
„Ja, ich weiß, wie das ist“, gibt Bert zu und hakt dann nach, „sag mal, ist mein früherer Tisch frei?“
„Ja, ist er. Das Übliche?“, möchte Karl von seinem alten Freund wissen.
„Das weißt du noch?“, guckt Bert seinen Gastgeber erstaunt an.
„Ja, natürlich. Sowas vergesse ich doch nicht“, zwinkert der ihm zu.
„Ja dann, das Übliche“, zwinkert Bert zurück und macht sich auf den Weg zum Tisch.
Dort angekommen, macht er es sich bequem, setzt sich auf seinen alten Platz und schaut aus dem Fenster. Er kann förmlich dabei zusehen, wie sich aus dem Regen erst größere Pfützen und schließlich kleinere Seen bilden. Nach einigen Augenblicken sieht er ein Auto ankommen, das rasch einparkt. Ein Mann steigt aus, der sich rasch die Jacke über den Kopf reißt und dann um das Auto herumrennt, um die Tür zu öffnen und seiner Partnerin ebenfalls die Jacke über den Kopf zu halten. Beide rennen eilig und über die größeren Pfützen hüpfend in Richtung des Eingangs und haben sichtlich Spaß an der Situation. Bert grinst selig in sich hinein und wendet sich etwas nostalgisch der Speisekarte.
Mit der kommt er aber nicht allzu weit, denn Karl nähert sich schon mit seinem Essen: „Mensch Karl, du bist ja immer noch so schnell wie früher“, lobt er ihn.
„Naja, ich war schonmal schneller, aber ich kanns noch, ja“, kommentiert dieser, als er den Teller vor Bert hinstellt und ihm das Besteck dazu reicht“, deine Cola bringe ich sofort.“
„Ich danke dir“, freut er sich und widmet sich seinem Leibgericht: überbackenes Schnitzel mit Pommes.
Er macht sich daran, die Pommes zu probieren und beobachtet während des Essens den Regen. Bert hat den Eindruck, dass der Regen nach und nach schwächer wird, auch, wenn er den kleinen Seen immer noch beim Wachsen zusehen kann. Als er schließlich fast mit dem Essen fertig ist, kann er sogar eine kleine Wolkenlücke erkennen und freut sich, dass er seine Tour heute doch noch fortsetzen kann.
„Mein lieber, hat alles geschmeckt?“, fragt Karl seinen Gast, als er nach dem Rechten schaut.
„Aber ja, es war sehr lecker, wie immer“, lobt ihn Bert und ergänzt, „ich würde dann gerne bezahlen, ich will das besser werdende Wetter nutzen, um meine Tour zu beenden.“
„Das verstehe ich“, nickt Karl, „hier ist der Bon. Lass es wie immer einfach auf dem Tisch liegen, wenn du gehst. Es war schön, dich mal wieder gesehen zu haben, Herbert.“
„Die Freude war ganz auf meiner Seite“, bestätigt Bert, „das nächste Mal wird nicht so lang auf sich warten lassen.“
Lachend geht Karl zum nächsten Tisch und Bert macht sich daran, seine Jacke wieder anzuziehen und das Geld mit einem ordentlichen Trinkgeld auf den Tisch zu legen. Dann geht er zurück zu seinem Wagen, steigt ein und macht sich daran, seine Tour fortzusetzen.

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