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André J. Pauwels

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Theologe. Autor. Blogger.

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Der Zauberer aus Haus 13 – Kapitel 1 – Teil 2

Posted on Januar 30, 2026Januar 30, 2026 by admin

Der neue Nachbar – Teil 2

Einmal über die Straße und vor Haus 13 stehend, fällt Ben auf, wie schön und ordentlich alles arrangiert ist und wie viele interessante und antik anmutende Gegenstände im Vorgarten platziert sind. „Das Haus hat mit seinen beiden runden Türmen rechts und links tatsächlich etwas von einem Schloss.“ Ben lacht leise in sich hinein. „Man könnte wirklich denken, dass hier ein Zauberer lebt. Bloß, dass es sowas nicht gibt.“ Ben öffnet das verschnörkelte Gartentor und schließt es hinter sich vorsichtig wieder, bevor er sich auf den Weg zur Haustür macht und die sich als schwere Holztür mit einem großen Klopfer, der aussieht wie ein Vogel, erweist. Da Ben keine Klingel finden kann, nutzt er den altmodischen Klopfer dreimal und wartet. Nach einer kleinen gefühlten Ewigkeit öffnet ein Mann die Tür, dessen Auftreten Ben komplett auf dem falschen Fuß erwischt. In der Tür steht ein etwa Mitte siebzig Jahre alter Mann in einer dunkelroten Brokatweste, einem dunkelroten langen Mantel, dunkelroter Hose und dunkelroten Schuhen, alles durchsetzt mit goldenen Fäden und bedeckt von dezenten goldenen Stickereien. Besonders auffällig ist aber sein etwas zu groß geratener, dunkelrot und golden verzierter Zylinder und sein goldglänzender Spazierstock in der rechten Hand, auf den leicht aufstützend er Ben mit einem freundlichen und gutmütigen Grinsen aus seinem weißbärtigen und von lachfalten durchzogenen Gesicht begrüßt: „Guten Tag!“
„Äh, äh, guten Tag, ich bin der neue…“, Ben schüttelt sich, um den Schock des ersten Eindrucks loszuwerden: „So kommt Ellie also darauf, dass er ein Zauberer ist. Er sieht wirklich aus wie einer.“
„Du bist der neue was? Kaffeetassenhalter?“
Ben schüttelt sich noch einmal und wendet seine Aufmerksamkeit wieder dem Mann zu: „Ja, ähm, nein. Ich habe das Haus nebenan gekauft und bin heute endlich eingezogen. Ich möchte mich vorstellen.“
„Na dann tu dir keinen Zwang an“, grient ihn der alte Mann an.
„Ähm, ja, mein Name ist Ben Friedland.“
„Hallo Ben, herzlich Willkommen in dieser tollen Nachbarschaft. Hast du denn schon jemanden kennengelernt bei deiner Vorstellungsrunde?“
„Ja, ich war schon gegenüber und habe Claudia und Ellie kennengelernt.“
„Ach, schön“, grinst es ihm entgegen, „Ellie ist ein besonderes Kind. Sie kann Magie erkennen, weißt du.“
Ben klappt verblüfft der Kiefer herunter: „Wie bitte?“
„Nimm mal noch einen Schluck Kaffee, sonst landet auf deiner Lippe noch ein Vogel und baut sich ein Nest in deinem Mund. Das wollen wir doch nicht“, lacht ihn der Mann an, „du bist etwas überfordert, nicht? Was hat Ellie dir erzählt? Dass ich ein Zauberer bin?“
„Äh…Ja.“
„Na siehste. Da hast du es.“
„Meinen Sie das ernst?“, platzt es aus Ben heraus, der mit seinen aufgerissenen Augen ein wenig so aussieht, als hätte er heute schon deutlich zu viel Kaffee getrunken, „Sie behaupten von sich, ein Zauberer zu sein?“
„Nein, Ben, natürlich nicht“, schüttelt der Mann energisch den Kopf und Ben beruhigt sich sichtlich, „ich behaupte nicht, ein Zauberer zu sein. Ich bin ein Zauberer.“
Da er sich beruhigt hatte und seinen Kiefer zuklappen konnte, hatte Ben einen Schluck Kaffee genommen, was er jetzt bereute, da er ihn mit einem lauten „Pfrrrrt“ wieder ausspuckte und deutlich zu laut rief: „Was?“
„Ich möchte ergänzen: Ich heiße Herr Margow. Du darfst mich gerne siezen.“
Ben stand einen Augenblick komplett fassungslos am Treppenabsatz und konnte nicht glauben, was seine Ohren da gerade gehört hatten. Als der Augenblick vorüber war, setze seine journalistische Ausbildung sich wieder durch, er straffte sich und bekam wieder klare Gedanken.
„Es gibt doch gar keine Magie und Zauberer.“
„Wenn du das sagst.“
„Beweisen Sie es.“
„Gerne doch. Ich warne dich aber gleich vor. Ich kann nicht mehr so zaubern wie früher. Heute kann ich nur noch kleine Zauber“, ergänzt er und deutet auf einen Baum in seinem Vorgarten: „Siehst du den bunten Vogel dort auf dem dritten Ast sitzen?“, fragt er Ben, der seine freie Hand über die Augen nimmt und den Vogel in der großen Birke ausmacht.
„Ja, sehe ich.“
„Gut, schau zu“, gluckst Herr Margow, wendet sich dem Vogel zu und spricht ihn direkt an, „flieg von deinem Ast zur Buche auf der anderen Seite des Vorgartens und lande dann ebenfalls auf dem dritten Ast an der großen Verzweigung.“
Der Vogel zwitschert einmal laut und fröhlich und flattert dann gemütlich zur Buche herüber, nur um sich dort tatsächlich an der Verzweigung des dritten Asts niederzulassen. Zufrieden lachend wendet sich Herr Margow wieder Ben zu, der vollkommen baff dasteht, sich aber rasch wieder berappelt und protestiert: „Das war Zufall. Oder der Vogel ist dressiert.“
Glucksend zwinkert Herr Margow ihn an: „Kann sein. Oder es war Magie. Kannst du beweisen, dass es keine war?“
„Nein, kann ich ni…“, stammelt Ben perplex zurück.
„Es ist schön, dass du mein neuer Nachbar bist, Ben. Es hat mich gefreut, dich kennenzulernen. Wir werden uns wiedersehen“, verabschiedet sich Herr Margow, dreht auf dem Absatz um, geht zurück ins Haus und während die Tür in ihr Schloss fällt, nuschelt Ben in seinen kurzen Bart „Ja, bis dann“ und macht sich auf den Weg zurück nach Hause.
„Was zur Hölle war denn das? Das kann doch gar nicht sein! Für heute reichts mir mit neuen Bekanntschaften, aber das werde ich mir genau angucken.“

1 thought on “Der Zauberer aus Haus 13 – Kapitel 1 – Teil 2”

  1. Petra sagt:
    Januar 31, 2026 um 6:27 a.m. Uhr

    Bin gespannt wie es weitergeht.

    Antworten

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