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André J. Pauwels

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Theologe. Germanist. Autor.

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Der Zauberer aus Haus 13 – Kapitel 9

Posted on April 24, 2026April 24, 2026 by admin

Kapitel 9 – Das Rätsel von Haus 13

Am Morgen nach dem kleinen Sturmereignis im Garten seines Nachbarn steht Ben im Bademantel mit seiner Kaffeetasse in der einen und dem Brief seines Nachbarn in der anderen Hand vor seiner Magnetwand und versucht, einen neuen Blickwinkel auf seine bisher gesammelten Erkenntnisse zu werfen:
„Mich lässt einfach nicht los, dass er mir gestern bei meiner Frage anerkennend zugenickt hat. Vielleicht liegt es daran, dass ich einfach mal Interesse gezeigt und eine Verständnisfrage gestellt habe, statt direkt mit meiner voreingenommenen Perspektive daran zu gehen und so nachzufragen, wie die Menge es gemacht hat. Auch bei den dort ausgetauschten ‚Argumenten‘ hatten sich ja alle im Grunde schon vorher ihre Meinung gebildet und haben dann bloß noch versucht, sich mit Lautstärke durchzusetzen. Das würde auch dazu passen, dass er hier im Brief geschrieben hat, ich solle versuchen, zu verstehen, statt zu beweisen und dass ich auf meine Weise die wirklich wichtigen Hinweise übersehe. Vielleicht bringt es ja wirklich etwas, wenn ich seiner Einladung folge und mich persönlich mit ihm unterhalte.“

Er stellt seine Tasse ab und beschließt, nicht lange zu fackeln und gleich zu seinem Nachbarn herüberzugehen, sobald er seine Morgentoilette erledigt und sich etwas Gesellschaftstaugliches angezogen hat. Während er vor seinem Kleiderschrank steht und sich Shirt, Hose und Hoodie herausnimmt, überlegt er, ob er Herrn Margow mit einer Gesprächsstrategie besuchen oder diesmal versuchen sollte, möglichst unvoreingenommen an die Sache heranzugehen:
„Da meine bisherigen Strategien und Pläne ja alle so wundervoll aufgegangen sind, weil sie offensichtlich bei diesem Menschen allesamt nicht funktionieren, versuche ich es einfach mal mit Unvoreingenommenheit. Ich habe ja nichts zu verlieren und wer weiß, vielleicht lerne ich am Ende sogar was.“

Ben schnappt sich im Herausgehen seinen Schlüssel und bemerkt auf dem kurzen Weg zum Haus seines Nachbarn, dass er damit nervös herumspielt und dass er mit jedem Schritt aufgeregter wird. An der Tür angekommen, fragt er sich, ob es wirklich so eine gute Idee von ihm war, will aber auch keinen Rückzieher machen und klopft mit dem antiken Türklopfer, woraufhin sich nur kurze Zeit später die Tür öffnet und er einem lächelnden Herrn Margow gegenübersteht:
„Guten Tag Ben, hast du dich endlich dazu durchringen können, mir persönlich einen Besuch abzustatten?“
„Ich muss zugeben, es war nicht ganz einfach und ich bin mir nicht sicher, wie gut diese Idee ist,“ gibt Ben seine Bedenken offen zu, „aber ich denke, dass Sie vielleicht Recht haben könnten und ich mit meinem Ansatz nicht weiterkomme. Deshalb dachte, ich versuche es mal mit Ihrem Rat.“
„Ich versichere dir, dass es eine sehr gute Idee ist!“, platzt es aus dem alten Mann heraus, „und jetzt komm erstmal herein. Magst du einen Kaffee? Den Geruch kennst du ja schon von meinen Paketen.“
„Ja, gerne, ich liebe Kaffee“, freut Ben sich, macht drei Schritte in das Haus, nur um gleich wieder stehen zu bleiben und die Augen aufzureißen, was Herrn Margow dazu veranlasst, ihn zu mustern: „Was ist denn? Nicht das, was du erwartest hast, hm?“

Ben schaut sich langsam im Haus um und kommt aus dem Staunen über die lichtdurchfluteten, großen und modern in weiß und hellbraun eingerichteten Räume nicht mehr heraus. Es macht auf ihn den Eindruck, als wäre es in den Räumen irgendwie heller als Draußen und dass die angenehme Helle alles auch auf eine Art wärmer macht. Schließlich gibt er zu:
„Nein, das hatte ich wirklich nicht erwartet. Von außen sieht Ihr Haus ein wenig aus wie ein kleines Schloss, auch mit all den Gegenständen in Ihrem Garten. Da hatte ich erwartet, dass es innen genauso sein würde. Aber das hier…“
„Ich mag Licht und Wärme und großzügige Flächen. Das Leben in einem Schloss ist nichts für mich“, erklärt der Zauberer und führt Ben weiter durch den großzügigen Eingangsbereich in die direkt anschließende Bibliothek, die Ben ebenfalls tief beeindruckt und das nicht bloß wegen der irren Anzahl an Büchern, sondern auch, weil er das Gefühl bekommt, das Haus könnte von innen größer sein als es von außen wirkt.

Herr Margow weist Ben einen Platz an, schenkt beiden Kaffee ein, woran Ben gedanklich kurz hängen bleibt und setzt sich schließlich ihm gegenüber in seinen eigenen Sessel.
„Stoßen wir erst einmal an, dass du es tatsächlich geschafft hast, mich endlich mal zu besuchen“, sagt der Zauberer und erhebt seine Tasse zu einem Toast, was Ben ihm gleichtut. Er probiert vorsichtig einen Schluck und wendet sich überrascht sofort an seinen Gastgeber: „Das ist der beste Kaffee, den ich je getrunken habe!“
„Sehr schön“, entgegnet dieser und lenkt das Gespräch anschließend ohne Umschweife direkt auf den Grund des Besuchs: „Also, erzähl mir, warum du hier bist.“

Ben merkt, dass sein Gegenüber etwas ernster wirkt als sonst und erklärt:
„Als ich Sie und die gesamte Situation hier kennengelernt habe und hörte, dass Sie ein Zauberer sein sollen, habe ich mich sofort gefragt, ob das überhaupt sein kann. Denn sowas wie Magie oder Zauberei gibt es nicht. Also habe ich versucht, Daten zu sammeln und zu einer Einschätzung zu gelangen, ob Sie ein Betrüger sind oder nicht. Allerdings hat das zu nichts geführt, weil meine Daten nicht dazu taugen, diese Frage zu beantworten. Dann habe ich es mit dem Brief probiert, weil ich dachte, darin seien Geheimnisse versteckt, was ja auch nicht der Fall war und zusätzlich haben Sie mich auch noch durchschaut. Das hat mich dann so ins Zweifeln gebracht, dass ich mich jetzt mehrere Wochen lang nicht mit dem Thema beschäftigt habe, um Distanz zu gewinnen. Bis Sie mir gestern Abend zugenickt haben. Das hat mich verwirrt und nochmal ins Nachdenken gebracht: Vielleicht wäre es doch besser, eine andere Frage zu stellen.“

Während seiner Ausführungen nickt Herr Margow hier und da und schaut ihm im Anschluss in die Augen:
„Und jetzt bist du hier, um herauszufinden, welche Frage das ist.“
Ben kann zunächst nicht einordnen, ob es sich dabei um eine Frage oder eine Feststellung handelt und nickt deshalb einfach, was dazu führt, dass sich der Gesichtsausdruck seines Nachbarn wieder aufhellt:
„Sehr schön! Hast du denn schon eine Idee, was du stattdessen fragen könntest?“
„Um ehrlich zu sein, nein. Sie reden in Ihrem Brief aber von Phänomen und davon, dass immer weniger Menschen an Zauberei glauben und dass es deshalb immer weniger Zauberer wie Sie gäbe. Sie machen hier einen Zusammenhang auf, den ich nicht verstehe“, führt Ben seine Gedanken aus, was Herrn Margow ein Schmunzeln entlockt.
„Ja, noch nicht. Aber du bist auf der richtigen Spur. Folge ihr weiter, dann wirst du auch deine Frage finden“, schließt er mit einem Lächeln, faltet die Hände über dem Bauch und lehnt sich gemütlich in seinem Sessel zurück.   

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